Onlinesucht - Forum & Hilfe - Garry Leusch
Lieber Garry,
Du hast eine bewegte Vergangenheit in der Spielebranche hinter Dir und bist nun Geschäftsführer eines der bedeutendsten online Magazine: www.gamona.de. Für World of Warcraft habt Ihr mit wow.gamona.de eine der bestbesuchtesten Warcraft Plattformen geschaffen. Wo lagen die wichtigsten Schritte in Deinem Werdegang, erfüllt Dich Dein jetziger Stand der Dinge mit Stolz und wo siehst Du Dich in ein paar Jährchen?
Hey, ihr bezeichnet gamona.de als eines der bedeutendsten Online Spielema-gazine? Das ehrt mich natürlich und darüber freue ich mich. Natürlich aber muss man die Kirche im Dorf lassen und realistisch bleiben. Wir von gamona.de sind uns bewusst, dass noch ein langer und sicher auch steiniger Weg vor uns liegt. Wir haben viel erreicht in den letzten Monaten – Stichwort Video on De-mand - aber haben nicht einmal ansatzweise das umgesetzt, was uns vor-schwebt: Innovationen schaffen und das Wort „Spiel“ auch in der deutschen Sprache salonfähig machen. Nur bei uns in Deutschland sind Computerspiele mit etwas negativem behaftet, in anderen Ländern sind Spiele gesellschaftlich sehr viel höher angesehen als bei uns. Da hat sicherlich auch die Politik Schuld, noch viel mehr Schuld aber tragen die Medien, die immer wieder Computerspie-ler also etwas „Böses“, „Faules“ oder „Dickes“ hinstellen. Dieses Klischee wol-len wir bekämpfen, denn es entspricht schlichtweg nicht der Wahrheit.
Der wichtigste Schritt in meinem Werdegang war sicherlich die Entscheidung, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich war in der Flugsicherung tätig und habe mich mit Aufkommen des .com Booms entschlossen, den Schritt zu wagen und im Games Business Fuß zu fassen. Ein weiterer entscheidender Schritt war sicherlich der, meine Freunde und Partner im Stich zu lassen und mitten in der gamona Gründungsphase zu Blizzard Entertainment nach Paris zu gehen.
Spaß beiseite. Wir haben nächtelang diskutiert ob es richtig ist, ins Ausland zu gehen, schließlich hatten wir schon damals große Pläne mit gamona, und im Nachhinein hat sich gezeigt, dass wir richtig gehandelt haben. Aber das ist si-cherlich ein abendfüllendes Thema…
Wie wir bereits aus Vorgesprächen wissen, warst Du früher bei der Firma Blizzard als Warcraft Gamemaster angestellt. Schildere uns bitte den All-tag und die Aufgaben eines Gamemasters (Regeln die ein GM einhalten muss, Arbeitszeiten, Arbeitsumfang, weitere Aufgabengebiete…).
Veto und Korrektur. Ich war nicht Gamemaster sondern Community Manager und verantwortlich für den gesamten deutschsprachigen Raum, anfangs sogar auch noch für das englischsprachige europäische Ausland (UK, Schweden, Norwegen etc.). Aus diesem Grunde kann ich zum eigentlich Arbeitsablauf ei-nes Gamemasters gar nicht viel sagen.
Was die Tätigkeit eines CM’s betrifft, so kann ich euch sagen, dass bei 99% aller Spieler mit Sicherheit eine völlig falsche Vorstellung davon herrscht, wie sich ein solcher Job gestaltet und welche Verantwortlichkeiten man hat.
Man ist einer der ganz wenigen Personen, die die Firma Blizzard nach außen repräsentieren und muss dementsprechend aufpassen, was man sagt. Jedes einzelne „blaue“ Posting im Forum ist ein offizielles Statement und wer Blizzard kennt, weiß, wie vorsichtig man in diesem Unternehmen ist. Oftmals beschwert sich die Community, warum sie nicht dies und jenes erfährt und warum Antwor-ten oft so lange dauern. Klar ist aber auch, dass man nur so handeln kann, wie es die Vorgaben zulassen. Die Tätigkeit eines CM besteht zu sehr großen Tei-len auch aus internen Verfahrensabläufen, Übersetzungen, Konzepten und es ist alles andere als einfach, jedem gerecht zu werden. Wenn man dann noch für verschiedene Länder zuständig ist, dann potenzieren sich die Schwierigkeiten in der Außenkommunikation. Inzwischen ist das Community Team bei Blizzard Europe ja auf mehrere Personen angewachsen und das ist auf jeden Fall gut so.
Spielt Ihr selbst auch noch privat Strategiespiele aus dem Warcraft oder Starcraft Universum, Diablo oder eben einen privaten Charakter aus World of Warcraft?
Na aber sicher. Ich selber bin weiterhin ein begeisterter WoW Spieler und pfle-ge meine beiden 60er (Krieger und Priester) so oft es eben geht. Ab und an starten wir auch noch eine Partie Warcraft 3. Diablo spiele ich nicht mehr, da hoffe ich doch sehr, eines Tages ein Diablo 3 auf meiner Festplatte zu finden. Derzeit bin ich mit der Burning Crusade Beta beschäftigt und staune, was die Entwickler an Ideen haben einfließen lassen. Über vieles haben wir intern be-reits vor einem oder gar zwei Jahren diskutiert und ich finde es enorm span-nend, viele dieser ursprünglichen Ideen nun im fast fertigen Spiel wieder zu fin-den.
Kannst Du für uns folgende Zahlen schätzen:
Anzahl Realms pro Servereinheit: Dazu darf ich leider keine Auskunft geben,
Betreiberkosten eines Servers pro Monat: siehe oben
Aktive World of Warcraft Spieler im deutsprachigen Raum: Wer die Pres-semeldungen verfolgt hat, der weiß, dass man in Europa über eine Millionen WoW Spieler findet. Rein deutsche Zahlen sind mir leider nicht bekannt.
Mitarbeiter (Gamemaster, Techniker, Manager) pro Realm: Sorry, ebenfalls intern, aber seid euch gewiss: das Personalaufkommen ist enorm.
Durchschnittliche Spielerkapazität pro Realm: Dieses wurde nach dem WoW Release immer mal wieder erhöht, aber auch hier muss euch leider an Blizzard selber verweisen.
Gesamtmitarbeiterzahl Blizzard Europe: Am besten, ihr fahrt mal hin und zählt selber . Aber ich bin mir sicher, dass man weit über 500 Mitarbeiter be-schäftigt, wissen tu ich das aber nicht, die Zahl fällt also ins Reich der Spekula-tion.
Zum Thema Online Rollenspiele
Welche Online Rollenspiele hast Du bereits angetestet oder auch intensiv gespielt?
Mein erstes MMO war Ultima Online, das halte ich noch heute für das MMO mit dem tiefsten Gameplay aller Zeiten. Ich habe auch eine Zeitlang DAoC gespielt und auch bereits in Lord of the Rings sowie Vanguard Beta reingeschnuppert. WoW ist für mich aber vom Handling und der Spielbarkeit das derzeitige Non-plusUltra.
Wo liegen die Punkte die explizit World of Warcraft, in erster Linie im eu-ropäischen Raum, zu dem machen was es ist: Das erfolgreichste Online Rollenspiel aller Zeiten?
Diese Frage habe ich auch schon zu meiner aktiven Blizzard Zeit oft beantwor-ten müssen. Für mich liegt der Grund des Erfolges auf der Hand: extrem leichte Zugänglichkeit. Überlegt doch mal: wenn das Spiel jemand installiert, der bisher noch nie in seinem Leben ein MMO in der Hand hatte, was passiert denn dann? Er loggt sich sein und…spielt los. Man muss so gut wie nichts wissen. Ein paar Schritte, erstes Ausrufezeichen über einem NPC und schon geht’s los. Der Spieler lernt spielerisch und besser als in WoW kann man das doch gar nicht umsetzen.
Ein weiterer Grund für den überragenden Erfolg ist sicherlich die bereits vor-handene Bekanntheit des Warcraft Universums gewesen. Drei tolle Strategie-Titel haben WoW den Weg geebnet.
Und schließlich möchte ich hier an dieser Stelle die Communityarbeit erwähnen. Wann haben wir unsere WoW Seite gegründet? Richtig, im Dezember 2001 war das, also über drei Jahre vor der Veröffentlichung des Spieles. Auch andere tolle Seiten kamen im Laufe der Zeit dazu und diese geballte Communitypower hat natürlich dazu geführt, dass das Interesse wuchs und wuchs und bis heute nicht abgenommen hat. Im Gegenteil: die Besucherzahlen der führenden Communityseiten sind noch immer steigend.
Wie stehst Du zu folgenden Schlagworten im Bezug auf Online Rollen-spiele
Suchtmittel: Ein gutes MMO kann sicherlich suchterregend sein. Es liegt aber an jedem Spieler selber, alles in Maßen zu konsumieren. Das kann nicht Auf-gabe eines Herstellers sein. Feste Charaktere wissen selber, was für sie gut ist und was nicht.
Jugendgefährdend: Ein klares Nein. Sprechen wir hier über Gewaltfilme im Kino? Über Drogen? Oder gar über die 20 Uhr Nachrichten, die alles andere als harmlos sind, vor allem, wenn Kinder zusehen? Da sagen die Eltern nichts, a-ber wenn der Sprößling eine Runde Battlefield anwirft, ist das Geschrei groß. Da stimmt doch was nicht.
Führt zu Einsamkeit im echten Leben: Das kann durchaus der Fall sein, wenn man sich nicht im Griff hat. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass diese Fälle eine absolut verschwindende Minderheit darstellen. Alle meine Freunde und Gildenpartner jedenfalls haben mit dieser vermeintlichen Verein-samung nicht zu kämpfen. Aber ausschließen würde ich diese Gefahr nicht, vor allem dann nicht, wenn man traurigerweise keine Arbeit hat oder aber nieman-den, der im richtigen Moment einschreitet.
Virtuelle Freundschaften: Na klar! MMO’s haben doch fast schon kulturhisto-rischen Charakter und sie schaffen etwas, was die Politik nicht schafft: sie ü-berwinden Grenzen. Es ist einem Spieler egal, welche Hautfarbe der Mitspieler hat, welche Nationalität und welche Religion. Wer redet uns denn immer ein schlechtes Gewissen ein? Die Politik ist es. Online Rollenspiele fördern das Miteinander, davon bin ich überzeugt. Ich selber habe Freunde in den USA und in Schweden gefunden, besonders durch die WoW Closed Beta damals und diese Freundschaften pflege ich noch heute.
Führt zu extremen Gewichtsschwankungen: *grinst*. Naja, ich selber diäte gerade und muss ein paar Kilo abspecken. Bei allem Fun an Computerspielen, liebe Leute: vergesst nicht, euch zu bewegen!
Mord und Totschlag wegen virtueller Gegenstände: Das ist Irrsinn. Wir spie-len ein Spiel und nicht mehr und nicht weniger. Ein Spiel soll Spaß machen und nicht zu solch absurden Jobs führen wie es in China offensichtlich der Fall ist („Goldfarming“). Aber wenn dann noch Gewalt ins Spiel kommt, weil jemand ein tolles Item nicht bekommen hat oder verloren hat…ich bitte euch, es gibt wahr-lich wichtigeres auf diesem Planeten.
Lügen (Kinder gegenüber Eltern, Ehemann gegenüber Ehefrau) wegen der World of Warcraft Spielzeit: Nunja, ich kann hier auch nur an jeden einzelnen appellieren, dass es sich hier um ein Spiel dreht und man nicht seine sozialen Kontakte deswegen schädigen sollte. Lügen gehören sowieso verboten, Ehrlich währt am Längsten, das bewahrheitet sich sowieso immer wieder. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es einige Fälle gibt, bei denen WoW zu Stress und Lügengeschichten geführt haben. Traurig ist das, so wichtig ist WoW dann doch nicht.
Konditionierung der Spielerschaft durch Lust auf neue Items und Spielin-halte: Blizzard weiß natürlich ganz genau, wo der Hase lang läuft und wie man die Spieler bei der Stange hält. Die Sammlerleidenschaft wird geweckt, man verdammt die Leute regelrecht dazu, weiterzuspielen, damit man sein Set voll-ständig bekommt. Schaut man sich die Burning Crusade Beta an, stellt man genau das wieder fest. Alte Sets und Items haben ausgedient, es gilt Neues zu finden und zu besitzen.
Für mich handelt Blizzard da aber absolut korrekt: so hält man nunmal Kunden bei der Stange, das ist fast schon wie beim Briefmarkensammeln. Aber in wie weit sich da jeder einzelne davon anstecken lässt, das muss man schon selber entscheiden. Das ist sicherlich nicht der Job eines Spieleentwicklers.
Übersetzungen der Spielewelt nach 1 ½ Jahren – z.B. Eisenschmiede statt Ironforge.
Tja, ein heiss diskutiertes Thema. Wir haben auf unserer WoW Seite eine Peti-tion zur Verfügung gestellt, bei der man gegen eine solche Übersetzung plädie-ren konnte. Über 20.000 Einträge sprechen eine deutliche Sprache, und wir werden die Aktion auch in wenigen Tagen Blizzard Entertainment übergeben. Ob es etwas nützt, das weiß ich nicht.
Meine persönliche Meinung ist, dass man 1,5 oder 2 Jahre nach der Veröffentli-chung nicht anfangen sollte, wohl bekannte Namen zu übersetzen. Das ist mei-ner Auffassung nach die falsche Entscheidung. Es führt auch zu Kommunikati-onsproblemen zwischen alten und neuen Spielern. Die einen rufen nach BWL, die anderen nach dem PSH? Die einen fliegen nach ES, die anderen nach IF? Nee, also da hätte man auf jeden Fall seiner Linie treu bleiben sollen. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung, der ein oder andere wird sicherlich anderer Meinung sein.
Glaubst Du, dass Spieler die viel und intensiv World of Warcraft spielen, nun weniger zu anderen Titeln greifen?
Ja. Ganz klar schadet ein solches Spiel wie WoW den Verkäufen anderer Spie-le. Überlegt doch mal, wieviel Spiele habt ihr euch gekauft, seitdem ihr WoW spielt? Ich denke, dass ein Spieler, der einem Titel wie WoW „verfallen“ ist, kaum noch andere Games spielt, immer wieder wird der Drang sich „mal eben einzuloggen“ größer sein und die Lust auf andere Titel verdrängen. Eigentlich ist das schade, es gibt so tolle Games da draußen!
Wird der Online Spielemarkt zu dem dominierenden Genre in den nächs-ten Jahren? Falls ja, aufgrund starker Lizenzen wie Star Trek Online; Warhammer Online oder HdR Online?
Du hast es mit deiner Frage eigentlich schon sehr richtig ausgedrückt. Der Trend geht sicherlich klar zum Online Gaming und das wird auch mehr werden. Titel wie Warhammer Online oder LotrO werden am WoW Thron kratzen, besteigen werden sie ihn sicherlich nicht können. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft und daher fördert es nur die Entwicklung, wenn es einen Spitzenreiter gibt, dem man gerne das Wasser abgraben möchte.
Heute hat man auch in technischer Hinsicht bereits sehr viel dazu gelernt und das kommt kommenden Onlinespielen sicher zugute. Es wird sicherlich immer starke Offline Titel geben, aber die Zukunft liegt ganz klar im Online Gaming. Jeder hat DSL, jeder hat eine Flatrate. Was also spricht dagegen, online mit anderen zu spielen?
Wie stehst Du zum Erwerb von virtuellen Gegenständen im echten Leben, durch echtes Geld? Was hältst Du vom Verkauf virtueller Gegenstände?
Ich habe das weiter oben bereits angesprochen. Ich halte davon gar nichts und deswegen lehnen wir solche Werbemaßnahmen auf unseren Seiten katego-risch ab. Ich kann euch sagen, dass wir bereits hohe fünfstellige Beträge aus-geschlagen haben, weil wir solche Anti-Spielspaß-Maßnahmen nicht fördern wollen. Ich glaube, dass mehr Leute solche virtuellen Item-Services nutzen als man glaubt, sie würden es nur nie zugeben. Ich kann nur sagen: ich finde, dass das absolut nicht zu einem sowieso schon kostenpflichtigen Computerspiel passt und wer nicht soviel Zeit hat wie andere, der hat halt weniger Geld auf seinem virtuellen Bankkonto, meine Güte. Nochmal: es ist ein Spiel, nicht mehr.
Vorstellung: In Ironforge (Eisenschmiede) steht ein Zwerg namens Luigi. Man klickt ihn an und bestellt Pizza und Cola, die Bestellung wird inner-halb von 30 Minuten geliefert und über das beim Anlegen des Warcraft Accounts angegebene Konto abgebucht. Deine Meinung dazu?
Ach wisst ihr, wenn ich hier jetzt sage, dass ich das ganz witzig finde, werden viele Leute drauf einschlagen und sagen: wie kann der nur. Aber ernsthaft: was soll’s denn. Ob ich nun ALT-Tabbe, die Seite vom Pizzaservice aufrufe und meine Bestellung abgebe, oder ob ich Luigi im Spiel anklicke: kommt es nicht auf dasselbe raus? Solange die Integration des Ganzen ins Spielgeschehen passt und nicht zu kommerziell aussieht, finde ich das echt ok. Hmm, ich be-komme Hunger…
Recht und World of Warcraft: Wenn man das Spiel verkauft, ist es nicht möglich den Namen des Account Besitzers zu ändern. Deine Meinung?
Hm, ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Es ist nach deutschem Recht absolut in Ordnung seinen Account zu verkaufen, das kann man niemandem verbieten. Ob man allerdings deswegen auch seinen Accountnamen ändern können muss, vermag ich nicht zu beantworten. Und mal ehrlich: wer verkauft denn schon seinen WoW Account? ;)
Die im Spiel erspielten Gegenstände gehören, wenn man die AGB’s liest, eigentlich weiterhin Blizzard Entertainment. Der Spieler hat lediglich das Nutzungsrecht. Glaubst Du, sind sich die Spieler darüber im Klaren? Was würde bei einer Insolvenz Blizzard’s passieren im Bezug auf die breite Masse und den Verlust derer virtuellen Existenz?
Ja, das stimmt. Eigentlich gehören die erspielten Gegenstände Blizzard und sonst niemandem. Man erhält das Nutzungsrecht. Viele werden das gar nicht wissen, die meisten werden die AGBs auch niemals gelesen haben.
Was bei einer Insolvenz des Herstellers passieren würde, vermag ich auch nicht zu sagen. Ich denke aber, dass jedes Gericht urteilen würde, dass der Verlust einer virtuellen Existenz im Zweifelsfall als „nicht so wichtig“ einzustufen wäre. Was will man auch anderes urteilen? Den Hersteller zwingen weiterzu-machen? Wenn er das Angebot aus finanziellen Gründen nicht mehr aufrecht erhalten kann, dann wird der Vertrag zwischen Spieler und Hersteller erlöschen. Ich denke mal, dass diese Gefahr bei Blizzard aber gegen Null tendieren dürfte .
World of Warcraft und Volkswirtschaft: Wir haben uns errechnet, dass man in World of Warcraft als LvL 60 Spieler umgerechnet rund 2 Euro in virtuellen Werten pro Stunde verdient. Dies hochgerechnet auf ein Jahr Spielzeit (Durchschnitt 5 Stunden pro Tag) multipliziert mit der Anzahl der EU Warcraft Spieler (Quelle: www.warcraftrealms.com) ergibt ein höheres BIP als jenes von EU-Ländern wie z.B.: Malta. Welche Meinung hast Du dazu, dass die WoW Community eine höhere Wertschöpfung mit virtueller Arbeit erzielt als manche Länder mit realer Arbeit?
Das zeigt, wie wichtig es ist, das zu tun, was einem Spaß macht. Würde jeder deutsche WoW Spieler mit der gleichen Leidenschaft in seinem Beruf oder sei-nem Studium arbeiten, dann würde man sich sicherlich wundern, was man alles leisten kann. Das soll in keinster Weise anmaßend klingen, aber wir alle wissen, dass wir oftmals lieber WoW spielen als den Rasen für die Eltern zu mähen o-der auf die nächste Klausur zu lernen. Auch ich würde jetzt lieber mit einigen Kumpels herumraiden (Mist, ZG Raid läuft schon!), aber ich sitze hier und be-antworte euch Fragen. Prioritäten setzen ist halt wichtig.
Arbeit macht vielen Leuten oft keinen Spaß. Spielen schon. Was also ist der Umkehrschluss hieraus? Beim Arbeiten spielen oder beim Spielen arbeiten? Ich bevorzuge erstere Lösung .
Schamanen auf Allianzseite, Paladine auf Hordeseite? Ein spielgeschicht-licher Unfug oder eine notwendige Entscheidung wegen der Balance in den Battlegrounds?
Auf Grund der neuen Instanzen ist ein Balancing für den Hersteller schlichtweg einfacher und besser hinzubekommen, wenn beide Fraktionen die gleichen Klassen zur Verfügung haben, als wenn jede Fraktion „Sonderklassen“ besitzt. Ich kann den Schritt der Entwickler hier absolut nachvollziehen und halte das für nicht schlimm. Echte Geschichtsfreaks oder WoW Historiker mögen mir ver-zeihen. Natürlich kann man sich eine Geschichte immer so hinbasteln, dass sie für die eigenen Vorhaben passt. Völlig klar, dass das nicht auf jedermanns Ge-genliebe stößt.
Charaktertransfer für 19,90 EUR. Deine Meinung?
Das ist normal und üblich, bei Everquest war das noch teurer meines Wissens. Aber mann kann solche Transfers nicht kostenlos anbieten, denn das würde die Serverökonomie sprengen, wenn jeder hier seine Charaktere wie wild hin und herschieben würde. Dann doch lieber die Hemmschwelle der Kostenpflicht.
Freust Du Dich schon auf den World of Warcraft Kinofilm? Weiß man schon genaueres?
Klar, darauf freue ich mich wirklich. Da kann man einen fantastischen Animati-onsfilm draus machen, ich hoffe sehr, dass er den gewaltigen Erwartungen ge-recht werden wird. Ich selber weiß darüber leider nichts weiter und muss eben-so auf neue Informationen warten wie ihr.
Freust Du Dich schon auf „The Burning Crusade“ und die neuen Rassen?
Ich denke, darüber habe ich in diesem Interview schon genug Bezug genom-men. BC ist absolut genial und es wird allen Spielern großen Spaß machen. Mein Appell an alle WoW Zocker: stört euch nicht daran, dass ihr plötzlich grü-ne Items finden werdet, die ein T2 Item locker aushebeln können. Genießt ein-fach den großartigen dritten Kontinent und spielt, weil es Spaß macht. Ihr wer-det neue T’s finden, garantiert.
Interview per email durchgeführt von Alexander Pfeiffer




