Onlinesucht - Forum & Hilfe - Ramona
In meiner Familie war eigentlich der PC seit jeher verpönt, da "das computern" in den Augen meiner Mutter nur wertvolle Zeit kostete, die man ja anderwertig verbringen hätte können. Ich für meinen Teil war froh, dass mein Dad sich dem immer irgendwie entgegen setzen konnte, und er mir doch sehr viel auf unserem aller ersten Computer beibringen konnte. Damals waren aber die Worte "online, chat, computergame" nur Fremdwörter.
Erst als ich 17 war kauften wir uns einen guten Computer- diesmal sogar mit Internet Zugang. Wie toll diese neue Errungenschaft war, zeigte die Monatsabrechnung des Telefonproviders. Einen Tag später hat sich meine Mutter entschlossen doch einen pauschalen Breitbandzugang zu bezahlen, da der mehr als halb so günstig war, als die zu begleichende Rechnung in ihren Händen :) Und warum war die Rechnung so horrend? Wir hatten einen Chat, den Palazzo für uns entdeckt. Stundenlang sind meine Schwester und ich davor gesessen und haben mit fremden Menschen über Gott und die Welt gelästert.
Abgelöst wurde das chatten dann bald durch das eine oder andere Computer bzw. Konsolen Game, welche vor allem mir viel Freude und Spielspass bereitet haben.
Oft genug musste ich mir aber natürlich auch anhören, ich wäre Chatsüchtig, oder würde zu viel PC/Konsolen Games spielen. Unverständlich für mich, da weder meine sozialen Kontakte, noch meine schulischen Leistungen darunter gelitten haben. Ganz im Gegenteil: ich habe neue Freunde gewonnen und war zugleich motivierter am Lernen.
Während dieser Zeit, und auch heute noch, musste ich aber immer wieder feststellen, dass es einige Menschen gibt, die überhaupt keine Balance zwischen ihrer realen und der virtuellen Welt finden konnten. Anfangs bewundert man diese auch noch für ihre Ausdauer im Chat, den Erfolgen im Spiel, der Zeit die sie haben, doch bei näherem Interesse und hinterfragen dieser Umstände wird man hellhörig: soziale Probleme, beruflich fehlende Anerkennung, alleinstehend. Die meisten meiner Bekanntschaften hatten irgendwie irgendwo gravierende Probleme.
Ich für meinen Teil, bin ein Scheidungskind. Entsprungen aus einem Rosenkrieg der mehr an ein Massengemetzel erinnerte... Die Zeit in der ich wirklich viel gechattet habe, war wichtig für mich- die aller erste Möglichkeit mich über das Geschehene mit anderen, außenstehenden Personen auszutauschen- zu sein, wer man eigentlich ist. Ohne verurteilt zu werden, ohne angreifbar zu sein, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen. Eine Zeit, in der ich täglich gewachsen bin, Ereignisse verarbeitet und eine Art Halt gefunden habe. Aber auch realisierte und verstand, dass ich diesen Halt sehrwohl auch von meinen Großeltern, Onkel und Tante bekam und ihn schlussendlich auch annehmen konnte.
Die Erkenntnis über reale Hilfe und realen Halt, sowie der Schritt diese zwei Dinge anzunehmen, sind die bedeutensten. Zermürbend ist die Tatsache, dass weder onlinesucht gefährdete Menschen noch solche die diese anklagen, das erkennen.
Es ist daher mein klarer Wunsch auf beiden Seiten zu intervenieren, ein Bewusstsein zu schaffen. Jeder Mensch hat eine gewisse Verantwortung im Leben zu tragen- auch für sich selbst. Manchmal muss man aber einem Menschen zu seiner Verantwortung, zu seinem Bewusstsein und zu einem gesunden Menschenverstand zurück helfen. Kritiker sind davon auch nicht ausgenommen.
DI(FH) Ramona Ettinger
(Online Editorin und print-Grafik IPOS)





