IPOS Institut zur Prävention von Onlinesucht  

Können andere sagen das man süchtig ist?
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Acaloth



Anmeldedatum: 30.07.2009
Beitr�ge: 14

BeitragVerfasst am: 08.08.2009, 02:01    Titel:

Dillinger [IPOS] hat Folgendes geschrieben:

Nur da ist dann der Punkt erreicht, wo sich die Fronten verhärten, denn solange Betroffene selbst nicht diese Erkenntnis zumindest annähernd teilen, wird er sich gegen etwaige Vorwürfe wehren und es kommt zu Auseinandersetzungen. Wer lässt sich auch schon gerne von anderen aufdrücken, dass er nach diesem oder jenem süchtig ist. Gehen sie mehrere Tage hintereinander vormittags in die Dorfkneipe und beobachten sie, wer von den Gästen mehrere Gläser Alkohol trinkt.
Können sie diese Beobachtung über mehrere Tage zu dieser Zeit machen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese Person ein Alkohol Problem hat und dann gehen sie hin und sagen dieser Person, was sie denken. Die Gegenreaktion dieser Person kann man sich ausmalen, vorsichtig ausgedrückt: er/sie wird über ihre Behauptung nicht erfreut sein.


Ja nur hier erkennen sie das es unter Umständen suchartig sein kann.
Das einer jeden Tag im Internet ist sagt gar nichts über Sucht aus, wäre dem so hätten wir echt ne Menge Leute zu therapieren.
Mit ihrer Argumentation öffnen sie der von mir verurteilten Argumentation Tür und Tor, denn er ist nicht erfreut und das nehmen manche selbsternannten Retter zum Anlass ihn als Süchtigen zu klassifizieren. Ich habe das Gefühl das man es da mit einer Art Tunnelblick zu tun kriegt, es gibt nur noch süchtige und nicht süchtige und wer über dem vom "Retter" veranschlagten Limit ist muss süchtig sein und wenn er sagt er ist es nicht dann muss ers dennoch sein.
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BerndD [IPOS]



Anmeldedatum: 20.02.2008
Beitr�ge: 54

BeitragVerfasst am: 11.08.2009, 07:54    Titel:

Schaut man sich den Kriteriumskatalog für Internetsucht an, dann beinhaltet der den Punkt: "Unfähigkeit zur Verhaltensänderung". Soll heißen: trotz negativer Konsequenzen schaffen es Betroffene nicht ihr Verhalten umzustellen. Das wiederum beinhaltet, dass Betroffene erkennen, dass sie ein problematisches Verhalten an den Tag legen. Spinnt man den Faden weiter, dann ist indirekt auch das Erkennen der Problematik (wie auch immer das aussehen kann) durch den Betroffenen selbst ein Kriterium der Suchtproblematik, was wiederum Rettern in Form von Außenstehenden ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt.

Aber nochmals, weil sie die Trennung von Internetsucht von anderen Suchtformen für so wichtig halten: Diese Trennung lässt sich nur in beschränktem Maße vollziehen. Auch ein Alkoholiker kann in keine Suchtklinik eingewießen werden, nur weil ein Außenstehender ihm eine Suchtkrankheit aufschwatzt. Auch hier kann man auf den verschiedenen Ebenen erst dann tätig bzw. aktiv werden, wenn es von Seiten der Betroffenen zu einer Einsicht kommt. Und auch wenn sie sich vielleicht jetzt wieder denken, dass sich aber eine Sucht bei z.B. Alkohol deutlicher erkennbar abzeichnet als beim Internegebrauch, dann meine ich, dass dies nicht entscheidend ist. Solange der oder diejenige mit der Abhängigkeit glücklich ist, ist meines Erachtens auch nicht unbedingt eine Änderung von Nöten. Jemand, der jeden Tag zu Mittag seine vier kleinen Bierchen in der Mittagspause trinkt, weil er es so gewöhnt ist und vielleicht noch am Abend eines, zeigt Züge eines süchtigen Verhaltens, aber wenn er damit glücklich und es keine wirklichen Probleme für ihn nach sich zieht - warum sollte man etwas ändern wollen. Genau so beim Internet, wenn ich täglich abends nachdem ich heimgekommen bin von der Arbeit, mich drei Stunden vor den PC setze und vielleicht am Wochenende öfters - solange es mir gut geht dabei, warum etwas ändern (und zwar Betroffene sowie Angehörige).
Und hier spannt sich der Kreis wieder: Dieses zufrieden sein mit der Situation ist individuell unterschiedlich. Bei dem einen stellen sich für ihn selbst und dem Umfeld bei einer Stunden täglichen PC-Gebrauch Probleme ein, bei dem anderen erst nach drei oder vier täglichen Stunden. Hier gilt es dann -wie schon erwähnt- individuell (situationsbedingt) abzuklären, wie kann ein autonomer, freudvoller Umgang mit dem Medium aussehen ...

Erwähnt sollte noch werden, denn das kann ein wenig zum Verständnis beitragen, welche Rolle die Außenstehenden spielen: Das soziale Umfeld, welches eine mögliche Suchterkrankung benennt, erkennt diese normalerweise früher (ob berechtigt oder nicht sei dahingestellt). Nehmen wir an, zu diesem Zeitpunkt (das Umfeld sagt Sucht, der Betroffene nicht), handelt es sich um keine Sucht. Trotzdem treten durch das zeitintensive Verhalten in weiterer Folge Probleme mit dem Umfeld auf (Eltern, Partner etc. werden rebellieren) und bei einer negativen Entwicklung kommt es zu Beziehungsabbrüchen - welche wiederum dem (möglichen) Betroffenen selbst schmerzen, weil es wichtige Menschen in seinem Umfeld sind. Es ist der Zeitpunkt gekommen, wo er sein Verhalten ändern will, aber nicht wirklich kann, weil sein täglicher Pc-Gebrauch einen zentralen und wichtigen Teil in seinem Leben einnimmt und er befürchtet, dass er die virtuellen Kontakte in weiterer Folge auch noch verlieren könnte.
Und jetzt könnte man sich die Frage stellen, wo fängt Sucht an!? Sagen wir ab dem Zeitpunkt, ab welchem er sein Verhalten umstellen wollte aber nicht konnte. Dann spielen die Außenstehenden sehr wohl eine Rolle und wenn auch das Umfeld überzogen reagiert, wenn es durch den PC-Gebrauch zu Problemsituationen mit wichtigen Menschen kommt, kann man schon auch meinen, dass man (auf welche Art und Weise auch immer) auch auf die Reaktionen des sozialen Umfelds ein Stück weit eingehen sollte, weil es einen wichtigen Lebensbreich darstellt, den man oftmals nicht riskieren will - problematisch wirds, wenn man nicht anders kann.

Und wieder ewig lange geschrieben. Sorry, nur wenn ich einmal drin bin ... Wink
MfG
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Casual



Anmeldedatum: 25.06.2009
Beitr�ge: 15
Wohnort: Delmenhorst

BeitragVerfasst am: 12.08.2009, 16:21    Titel:

Hui, hier wurde viel in meiner Abwesenheit diskutiert. Erstaunlicherweise habe ich seit geraumer Zeit keine E-Mail Benachrichtigung mehr bekommen. Komische Sache...wie dem auch sei:

Ich selber habe damals meine Sucht selbst bemerkt und diese selber "bekämpft". Der Schritt von 100 auf 0 ging bei mir zu 100%. Nun frage ich mich, ob dieser auch bei anderen funktioniert? (Angenommen sie haben die Einsicht der eigenen Sucht -> Aggressionen ohne Konsum als Anzeichen Bsp.)

Aktuell sitze ich jeden Tag an die 4 Stunden am PC und erledige diverse Aufgaben. Nun, bin ich noch süchtig? Ich denke nicht und deshalb ist der pure Zeitfaktor kein Kriterium. Ich kann diesen Konsum ohne Reue etc. abstellen und wieder aufnehmen. Nur was sollte man machen, wenn man süchtig nach dem "Surfen" im Internet wird? Ein so mächtiges Medium kann man nicht für das Individuum verbieten - es ist mittlerweile überall. Wie würden dann die Konsequenzen aussehen? Die betroffene Person einfach fallen lassen?

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