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internetsüchtiger mitbewohner

 
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katze



Anmeldedatum: 05.05.2009
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Wohnort: Graz

BeitragVerfasst am: 05.05.2009, 12:53    Titel: internetsüchtiger mitbewohner

Hallo!
Erstmal muss ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass es solch ein forum gibt, ich wüßte sonst gar nicht wohin ich mich wenden soll- vielleicht könnt ihr mir ja bei meinem ganz speziellen problem helfen.

Vor ca. einem Jahr ist ein ehemaliger Schulkollege (mit dem ich mich auch schon während der Schulzeit ganz gut verstanden habe) in meine Wohnung gezogen (Studenten WG). Bereits aus der Schulzeit wusste ich, dass er viel und oft vorm Computer sitzt, aber das was er gerade macht kann nicht mehr normal sein und bereitet mir kopfzerbrechen, weil sämtliche gespräche nicht geholfen bzw. nur temporär geholfen haben.
Nun zu ihm: Er ist 24 Jahre alt, hat die Matura. Drei Studien bereits abgebrochen und versucht jetzt ein viertes.
Sein Internet/PC Konsum beläuft sich derzeit auf 16h pro Tag (mein Zimmer ist neben seinem Zimmer, ich krieg das tippen und klicken mit, meist geht das um die mittagszeit los und endet um 6 uhr früh), auf der Uni war er seit Wochen nicht mehr. Er fährt weder heim zu seinen Eltern (wie die meisten Studenten), noch kümmert er sich um Arbeit oder um die Uni (die Wohnung finanzieren ihm seine Mutter und sein Oma soweit ich weiß)
Soziale Kontakte hat er keine (er geht ja nie aus dem Haus), was leider wiederum dazu führt, dass er seine Körperpflege vernachlässigt (wenns hoch kommt duscht er einmal pro Woche) und sein Essen aus Brot und Wurst besteht.
Jegliche Versuch ihn irgendwo einzubinden sind fehl geschlagen, seine Pflichten im Haushalt muss ich ihm auch ständig sagen (obwohl wir einen fixen Haushaltsplan haben).

Soviel zur Kurzversion.
Wie gesagt: ich bin "nur" die Mitbewohnerin, wie weit soll ich eingreifen? ich meine, darf ich mich da überhaupt einmischen?- ich kann ja schlecht seine mutter anrufen, oder?
für konstruktive ratschläge wäre ich sehr dankbar, mir sind die ideen ausgegangen...
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BerndD [IPOS]



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Beiträge: 47

BeitragVerfasst am: 07.05.2009, 10:40    Titel: Hallo Katze,

Interessante Situation, die du beschreibst, die (wie so oft) nicht leicht zu handhaben ist.

Die Gänsefüßchen bei "nur" die Mitbewohnerin kannst du m.E. streichen, da du anscheinend mittlerweile zu seinem engsten sozialen Umfeld gehörst (reallif, also von den virtuellen Kontakten abgesehen), wenn es sich bezüglich der sozialen Aktivitäten deines Mitbewohners so verhält, wie du dies beschreibst.
Deswegen ist es auch verständlich, dass du dir Gedanken um ihn machst und den Wunsch hast ihm zu helfen, weil du merkst, dass etwas nicht stimmt.
Genau an diesem Punkt wird es allerdings m.E. schwierig, den so wie ich es aus deinen Schilderungen entnehmen kann, siehst "nur" DU diese Problematik, er selbst allerdings nicht. Solange er selbst nicht das Gefühl hat, dass sein Verhalten eigentlich nicht gut ist für ihn und seine Entwicklung, wird er auch kein Veränderungsbedürfnis haben. Du wirst dieses auch nur schwer bei ihm wecken können und wirkliche Handlungsmöglichkeiten sind auch keine gegeben, denn es handelt sich bei ihm um einen Erwachsenen, der sein Leben nach seinen Vorstellungen gestalten kann, ob es dem Umfeld gefällt oder nicht, ist so lange sekundär, so lange IHN das nicht stört.

Deswegen würde ich versuchen diese Sichtweise anzunehmen. Du hast wie gesagt keinen wirklichen Handlungsspielraum (mit Ausnahme der häuslichen Verpflichtungen, die bei einem Zusammenleben dazu gehören) aber auch keinen unbedingten Handlungsauftrag. D.h. sieh dich nicht in der Pflicht etwas zu tun. Bleib ihm aber als soziale Ressource erhalten. Damit meine ich, lade ihn immer wieder mal ein, wenn du ausgehst und irgendwas unternimmst. Auch wenn er 30x nein sagt, vielleicht kommt er ja beim 31x mit.
Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass er selbst sagt, er möchte etwas ändern in seinem Leben, dann kannst du ihm zur Seite stehen und Hilfe auf verschiedenen Ebenen (sei es einfach zum Reden, oder Hilfe bei der Uni oder das Finden alternativer Freizeitmöglichkeiten etc.) zur Verfügung stellen.
Kurzum, setz dich nicht unter Handlungsdruck, du wirst nur wenig Einfluss in seiner jetzigen Situation auf ihn haben, aber stehe ihm als soziale Ressource zu Verfügung (gegenwärtig eher passiv, dass er weiß, das jemand da ist, wenn er wen braucht und später dann vlt. in einer aktiveren Rolle).

Wünsche dir alles Gute und würde mich freuen, wenn du uns später einmal eine kurze Rückmeldung gibst, wie sich die Situation mit dir und deinem WG-Kollegen entwickelt hat.

Liebe Grüße
Bernd D.
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katze



Anmeldedatum: 05.05.2009
Beiträge: 4
Wohnort: Graz

BeitragVerfasst am: 11.05.2009, 19:38    Titel:

danke erstmal für deine antwort...manchmal tuts auch gut sich den mist einfach nur von der seele zu schreiben.

vor ein paar tagen haben wir uns zufällig in der küche getroffen (er kommt ja selten raus aus seinem zimmer) und da hatten wir ein langes gespräch, weil er mich fragte, ob ich wirklich glaube, dass er ein problem hat.
daraufhin hab ich ihm gesagt, er soll selbst nachdenken, ob 16h surfen und spielen täglich gut für ihn sind, ob er das gefühl hat, dass ihn das "weiterbringt". in dem moment hatte ich das erste mal das gefühl, dass er ernsthaft darüber nachgedacht hat.
die unterhaltung dann verlief eigentlich sehr gut- ich hab ihm angeboten ihm adressen zwecks hilfe rauszusuchen, bzw. ihn zu begleiten, was er dann allerdings nicht wollte.
was aber ein guter erfolg ist, dass er von mir verlangt hat, dass ich ihm helfen soll, indem ich ab 22 uhr den internetstecker zieh (ausm modem). ausserdem hat er mir seinen uni-stundenplan gegeben und jedesmal wenn ich zuhaus bin und er ein seminar hat und sich nicht richtet zum hingehen, soll ich daran erinnern (zwecks druck). er meint, er schafft das nur, wenn man ihn unter druck setzt. ich weiß ja nicht ob er sich da nicht für den anfang übernimmt.

soviel zum status quo!

glg. katze
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BerndD [IPOS]



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BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 09:11    Titel: Hello Katze,

klingt doch sehr gut, was sic da in deiner WG tut. Sobald er ein solches Gespräch anfängt, hat man eine Basis, an der man ansetzen kann. Finde es sehr gut, dass du ihm gleich Unterstützung und Hilfe angeboten hast. Auch das du ihn erinnerst, wenn er Seminare übersieht, finde ich für den Anfang ganz gut. Auf die Dauer sollte es natürlich ein Ziel sein, dass er sich die Dinge selbständig einteilen kann und checkt, aber gerade am Anfang können derartige Hilfestellungen (die von ihm nämlich auch gewünscht werden) sehr hilfreich sein. Vor allem wenn es darum geht, dass er sich vlt. gerade wieder ein wenig zu sehr im Internet verliert, da kann ein äußerer Reiz (d.h. außerhalb des PC-Geschehens, in dem Fall du, wenn du ihn erinnerst) sehr hilfreich sein.

Wegen Überforderung würde ich mir nicht zu viele Gedanken machen. Stell ihm einfach auch frei bzw. mache ihm klar, dass, wenn ihm etwas zu viel wird, er sich deswegen nicht schämen muss, sondern er soll solche Dinge einfach formulieren und dann kann man einen anderen Weg versuchen.

Eine kleine Anregung noch: Da von ihm ja formuliert wurde, ob du wirklich glaubst, dass er ein Problem hat - finde es wunderbar, dass du ihm den Ball gleich zurück gespielt hast und ihn zum Nachdenken aufgefordert hast ohne großartig deine Befürchtungen zu formulieren. Wunderbar.
Sollte eine ähnliche Frage wieder mal andiskutiert werden, dann kannst du ihm eventuell auch vorschlagen, dass er einfach einmal in der Woche einen computerfreien Tag einlegen soll. Also ein Tag in der Woche völlig ohne PC. Dies könnte möglicherweise zu zwei Denkanstößen führen:
1. Ihm geht der PC nicht ab und er kann auch so einen für ihn angenehmen Tag verbringen -> dadurch kann er erkennen, dass es neben dem PC auch noch interessante Beschäftigungsmöglichkeiten und Alternativen gibt.
2. Es ist ihm an diesem Tag völlig langweilig, er weiß absolut nichts mit sich anzufangen und den PC aufzudrehen juckt ihm pernanent unter den Fingern -> dadurch kann er selbst sehr gut erkennen, wie weit er denn ein Problem mit seinem PC-Gebrauch hat. Dies kann man dann in einem Gespräch danach sehr gut reflektieren.
Zu diesem freien Tag wäre zu sagen, dass es dabei wichtig ist, dass er sich diesen Tag mit Alternativen sehr gut durchplant. Wie auch immer die aussehen (Seminare besuchen, Kino gehen, Essen gehen, Verwandte treffen, what ever), denn andererseits wird er zu Hause sitzen und außer Fernsehen nicht wirklich wissen, was er tun soll, was wiederum den nicht erwünschten Fall begünstigen würde, dass er den PC freien Tag nicht durchhält, sondern das Ding wieder aufdreht.

So, wieder mal viel mehr geschrieben als gewollt. Das letztere ist nur eine Möglichkeit, die ich an dieser Stelle aufzeigen wollte, welche man unter Umständen berücksichtigen kann. Vor allem wenn der erste Umdenkprozess schon eingesetzt hat, der/die Betroffene überlegt zum ersten Mal laut, ob er nicht doch ein Problem hat, dann ist dies eine Möglichkeit, dass man sich die ganze Situation genauer ansieht.

Finde auf jeden Fall den Fortschritt in deiner WG und wie ihr die Dinge anpackt seh fein. Freut mich, dass du wieder mehr Zugang gefunden hast und wünsche dir/euch alles Gute für die Zukunft,

liebe Grüße
Bernd
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katze



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BeitragVerfasst am: 17.05.2009, 18:46    Titel:

lieber bernd,

ich danke dir für die gute idee mit dem pc-freien tag! bei gelegenheit werd ich das thema ansprechen.

lg. cindy
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katze



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BeitragVerfasst am: 16.07.2009, 18:28    Titel: abschlussbericht

hallo alle zusammen!

ich denke ich bin euch zumindest einen "abschlussbericht" schuldig.

nach den vielen positiven erfahrungen gibt es jetzt quasi die ernüchterung meinerseits.
nachdem mein mitbewohner es dann mit viel reden doch meistens auf die uni geschafft hat, hat er während der prüfungszeit sich quasi abgeseilt und ist auf urlaub gefahren. ergo: keine prüfungen und d.h. in Ö, dass er ein semester komplett verliert und nachdem dass das 4. oder 5. abgebrochene studium ist, wo er nicht eine einzige prüfung gemacht (gemacht, nicht geschafft) hat, dürfte das wohl hoffentlich das ende seiner studentischen karriere sein (hoffentlich deswegen, weil er vielleicht einsieht, dass es sinnlos ist sich einzuschreiben und dann nicht hinzugehen)
auf alle fälle geht er für das erste jetzt mal nach deutschland und ich such mir endgültig ne eigene kleine wohnung ohne mitbewohner ^^
was er in deutschland will, weiß ich nicht- er ist sich nicht sicher ob er nicht doch nochmal versucht germanistik zu studieren...

egal. trotzdem danke für die antworten hier. immerhin hats zumindest mich für diesen themenbereich sensibilisiert.

lg. cindy
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