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Beziehungen in WOW und die Einflussnahme auf das 'RL'

 
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Martin



Anmeldedatum: 26.03.2008
Beitr�ge: 4

BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 10:09    Titel: Beziehungen in WOW und die Einflussnahme auf das 'RL'

Hallo liebe Leser,
durch eine zufällige Suche nach "Leidensgenossen" bin ich auf dieser Seite und diesem Forum gelandet und habe mir bereits den einen oder anderen Fall durchlesen können. Es ist schon traurig zu sehen, wie Menschen miteinander umgehen, nur weil sie parallel in einer anderen "Welt" "leben".

Wenn ich darf, würde ich gerne meinen Fall beschreiben, der eigentlich doch recht strange ist, wenn ich mal so darüber nachdenke... und Euch ein wenig Zeit kosten wird. Er beschreibt einen Weg, den ich nun mit meiner Frau ca. 6 Monate lang gehe und verlangt einiges an Lesewillen von Euch, aber ermutigt von den vielen guten und nützlichen Antworten hier im Forum schreibe ich einfach los...

Also - meine Frau und ich spielen nun ca. 2 Jahre "World of Warcraft". Unsere Einstellung zum Spiel würde ich in der Vergangenheit als "normal" bezeichnen, Abends mal 1 - 2 Stunden, am Wochenende auch mal 5 oder mehr Stunden, es gibt dort ja sogenannte "Instanzen" und "Raids", bei denen man zusammen mit insgesamt 5 - 25 Spielern "größere Aufgaben" erledigt - dies ist aber wirklich eher eine große Ausnahme. Beruf, Beziehung, Haustiere, Haushalt sind meiner Meinung nach in einem gesunden Verhältnis zur Onlinezeit gewesen, ... nunja, bis vor ca. 3 - 6 Monaten denke ich.

Während ich (aus meiner Sicht) weiterhin versuche, die nötige Distanz zu Spielern und die abstrakte Betrachtungsweise zu deren Spielfigur(en) zu wahren und meinen "realen" Freundeskreis gerne vom "virtuellen" Freundeskreis trennen möchte, ist das Verhalten meiner Frau doch recht anders geworden. Angefangen hat alles damit, dass sie einem "Gildenmitglied" dabei zur Seite stand, als dieser im "Real Life" Probleme mit seiner Freundin hatte. WOW entwickelte sich langsam zum "3D-Chatprogramm" und meine Frau zur Problemlöserin und Zuhörerin seiner Probleme.
Im Prinzip ja nicht schlecht, macht es doch das Spiel zu einem Helfer für Notlagen im wahren Leben, immerhin wende ich mich ja auch grade an eine mir nicht bekannte "Community" im Internet und gewisse Parallelen lassen sich da ja nicht abstreiten.

Jedoch folgt nun auch irgendwie der Haken an der Sache. Mittlerweile ist meine Frau somit nun schon Seelsorgerin für ihn und einen weiteren Freund geworden, der aus dem realen Freundeskreis und gleichen Ort des Ersten stammt und auch zusammen mit uns spielt.

Vor drei oder vier Monaten dann hat meine Frau auf dem Monitor die Farbe der Chatschrift so verändert, dass diese von meinem Platz aus schwer zu erkennen ist, ihr Monitor steht leicht verdreht, schaue ich über ihre Schulter bekomme ich Ärger. Ok, dachte ich, es geht um die Probleme und Sorgen der Menschen, die sie Freunde nennt und ich bin froh darüber, dass sie helfen kann und es anscheinend den beiden gut tut, hat meine Frau doch eher sonst Probleme im wahren Leben wirkliche Freundschaften / Bekanntschaften dauerhaft einzugehen. Also akzeptierte ich das.

Dieses Chatten und "Probleme-Lösen" nahm seitdem immer größere Dimensionen an. Die Online-Zeit steigt, vor ca. drei Monaten dann wurde ich damit überrascht, dass einer der beiden zusammen mit seinem Freund, der bisher unbeteiligt gewesen ist (insgesamt sind es drei Freunde im gleichen Ort, wovon zwei dieses Chatten mit meiner Frau angefangen hatten) von meiner Frau zu uns nach Hause eingeladen wurde. Wir haben heftigst darüber diskutiert, ich wollte niemanden von denen bei uns im Haus haben. Schon gar nicht wollte ich, dass diese uns eigentlich (mir mehr als meiner Frau) fremden Leute bei uns aufgrund der 400km-Entfernung bei uns übernachten. Meine Frau diskutierte mit dem Argument, dass sie im Spiel nun ein paar wirkliche Freunde gefunden habe und für diese nichts weiter als eben diese "Seelsogerin" sei und ich mir wirklich keine Gedanken machen müsse, dass etwas falsch läuft. Da es ihr insgesamt unheimlich wichtig gewesen ist, dass diese Leute vorbeikommen habe ich letztendlich zugestimmt, obwohl es mir an diesem Zeitpunkt schon innerlich das Herz gebrochen hat. Immerhin gewähre ich Menschen Einlass in unser Haus, unser Leben, denen ich nicht vertraue, die ich nicht wirklich kenne und mit denen ich persönlich als einzigen Ansatzpunkt 1280 x 1024 Bildpunkte eines Online-Rollenspieles habe.

Der Tag naht und als unser Besuch nun vor der Tür steht stelle ich fest, wie sehr doch meine Frau sich mit dieser "Seelsorge" beschäftig haben muss, sie fällt Ihrem Patienten regelrecht in die Arme, beide begrüßen sich, als würden sie sich wirklich gut und lange kennen. Der Rest des Tages war reichlich unspektakulär zum Glück, wir unterhielten uns alle, nichts besonderes. Eigentlich war ich erleichtert. Wenn es dabei bleibt, dann könnte ich sagen, dass ich diese Menschen nun auch ein wenig kenne und wir einen gemeinsamen Ansatz für eine "echte" Freundschaft hätten, mich eingeschlossen.

An dieser Stelle kommt nun der zweite Freund ins Spiel. Hierbei begann alles wie bei dem ersten, jedoch muss ich sagen, dass ich mit diesem "Menschen" hinter der Figur nicht klarkomme. Es gibt spielbezogene Rivalitäten unter uns die von ihm angestochert werden, Geheimnisse und "Insider" zwischen ihm und meiner Frau in die ich auch absichtlich nicht eingeweiht werde. Die Chats sind noch intensiver, meine Frau ist praktisch die ganze Zeit im Spiel am Tippen.

Vor ein paar Tagen - ich mache es kurz - war dieser "Zweite Freund" mit dem dritten unbeteiligten (der eigentlich der einzige dieser Gruppe ist, den ICH als Freund bezeichnen würde) bei uns. Die gleichen Diskussionen vorweg, um das Übernachten der beiden kam ich diesmal nicht herum, lediglich habe ich zugesehen, dass sie weit genug von uns weg in der anderen Hausecke dabei waren...
Wir haben Brettspiele gespielt, DVDs angesehen, sind Essen gegangen, es war OK aber so manche Situation brach mir in kleinen Teilen das Herz (die Umarmung bei der Begrüßung, ja selbst das Sitzen meiner Frau auf einem Sofa mit einem Menschen, den sie sehr gut kennt und ich nicht). Ich war froh, als diese beiden Tage endlich vorbei gewesen sind.

Seitdem... ist alles nur noch schlimmer. Ich würde meiner Frau nicht unterstellen, dass sie den "Mann" hinter dem zweiten Menschen mag und attraktiv findet, jedoch habe ich durch einen blöden Zufall weitere unberuhigende Dinge gesehen (z.B. ihre Handyrechnung, die nur SMS und Sprachverbindungen zu diesem Typen hat und 3x teurer als zuvor ist, oder eine Mail an ihn in der meine Frau schreibt, dass sie geweint hat, weil sie sich nicht sicher gewesen ist, ob er sich nun mit ihr streitet oder nicht (keine Ahnung worüber...).

Die Spielgewohnheit meiner Frau hat sich nun aufgrund des realen Bezuges zu diesen beiden Personen drastisch verändert - ja, mittlerweile würde ich zur Behauptung neigen, dass sie danach in gewisser Weise süchtig ist, geht sie doch oft nach dem nach Hause kommen direkt online, vernachlässigt ab und an Haustiere und Haushalt und wichtige zu erledigende Sachen, verschiebt lästige Termine (wie z.B. den Wocheneinkauf oder den Besuch bei Verwandten, Bekannten), nur um ein Maximum an Zeit mit dem Spiel, dem Chat und der Seelsorge zu verbringen, kennt die Online-Zeiten der anderen in- und auswendig, der Content des Spiels ist in den Hintergrund gerückt und findet oft nur noch statt, wenn dies zusammen mit mindestens einem dieser beiden ist.

Ich habe mehrmals im Laufe dieser ganzen Zeit versucht ihr klarzumachen, wie sehr es mir wehtut, wenn sie den Chat versteckt, heimlich SMS schreibt, ihn anruft, unser "Real Life" vernachlässigt, na einfach alles was ich oben beschrieben habe... alles was ich mir wünsche ist, dass es wieder auf einen "Normalen Level" heruntergeschraubt wird, gestern hat uns diese Diskussion nun fast unsere Beziehung gekostet...

Nachdem sie über eine Stunde nach mir (mittlerweile spät in der Nacht) den PC ausgeschaltet hatte und ich echt sauer gewesen bin, habe ich noch einmal meinen Rechner eingeschaltet, fast alle "Items" meines Charakters beim Händler verkauft und machte mich bereit dafür, eine lange Zeit auszuloggen - nicht für immer, aber ich wollte wirklich Abstand zu diesem Spiel gewinnen und in gewisser Weise sehen, ob ICH meiner Frau im Spiel irgendwie fehlen würde.
Sie kam dann irgendwann zu mir, beobachtete das Geschehen und ist auf Ihren Rechner zugestürmt. Sie wollte Ihren Account löschen, schrie mich an, weinte, hat mir vorgeworfen dass ich ihr Leben und ihre Kontakte kontrollieren will, es war einfach ein Alptraum. Ich habe das Internet getrennt und wollte mich mit ihr unterhalten, ihr meine Situation erläutern, dass ich es nicht mehr aushalte, wenn es nicht mehr "unser" Spiel ist sondern "Ihr-und-Sein" Spiel in wesentlich größeren Dimensionen, aber sie wollte sich auf eine Unterhaltung nicht einlassen...

Diese Bekanntschaften im Internet in WOW halten sich nun schon 2 Jahre und "besonders stark" nun seit 6 Monaten, immer stärker werdend. Das ist etwas Besonderes, das respektiere ich, ich finde es gut, wenn es dabei bliebe dass meine Frau um RAT gefragt wird, dass Menschen Ihre Meinung wünschen und gerne haben, das muss ein tolles Gefühl für sie sein, was ICH allein ihr sicherlich nicht bieten kann und ich gönne es ihr wirklich, denn ich liebe sie sehr und wünsche mir nichts mehr als dass sie glücklich ist, nur denke ich, dass sie das grade über das Spiel auslebt und sich dort sehr stark hineinsteigert. Sätze wie "ich vermisse Dich" haben da nichts zu suchen, passen da nicht hinein, auch gibt es viele "Emotes" und allgemein das sehr abstrakte Bild was man immer von den Spielern vor Augen hat. Das nächste Treffen ist bereits organisiert - wir werden zwei Tage bei den drei Freunden verbringen, ich bekomme es nicht hin, ihr zu sagen, dass ich unter keinen Umständen dahin möchte, dass es nunmal nicht meine Freunde sind und ganz oft habe ich ihr gesagt, dass ich Angst habe, sie nun wirklich zu verlieren...
Sie kompensiert anscheinend über das Spiel die im wahren Leben fehlenden beständigen Freunde, vergleicht den einen sogar mit einer alten Schulfreundin und versichert mir eigentlich recht glaubhaft, dass dieser die Rolle dieser alten Schulfreundin übernommen hat, die im Laufe der Jahre aus unserem Blickfeld verschwunden ist.
Auch betont sie immer wieder, dass sie bei mir sein möchte, mich liebt und mit keinem von den beiden je irgendwas wäre. Ich möchte ihr ja glauben und doch sehe ich, dass sie bezogen auf das Spiel immer eigener wird und auch im "restlichen Leben" rücken die Belange der anderen manchmal viel mehr in den Vordergrund als meine oder als unsere gemeinsamen. Das beste für uns wäre wohl ein wochenlanger Ausfall des Internets...

Und jetzt hoffe ich darauf, dass zumindest einige bis zu diesem Punkt mitgelesen haben und sich ein Bild von der gesamten Situation bilden konnten. Reagiere ich über? Ist das keine "Sucht"? Sicher... nicht im klassischen Sinne... Bin ich zu unsensibel oder respektiere ich ihren Wunsch geachtet zu werden zu wenig? Was würdet Ihr machen / welche Reaktion sollte folgen? Oder mache ich mir nur etwas vor und alles ist nicht so wild? Auch eine mich beruhigende Antwort würde mir sehr helfen...

Ich danke Euch vielmals für's Lesen!


Zuletzt bearbeitet von Martin am 26.03.2008, 10:37, insgesamt einmal bearbeitet
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Alex [IPOS]



Anmeldedatum: 01.03.2007
Beitr�ge: 31

BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 10:19    Titel: Hallo Martin

Habe deinen Text gelesen. Ich kann auf jeden Fall 100 % mit dir mitfühlen und dich verstehen. Für eine halbwegs sinnvolle Antwort fehlt mir im Moment ein bißlere die Zeit, aber ich werde auf jeden Fall bald auf dich zurückkommen Smile.

vlg

Alex

PS: Vielleicht meldet sich ja bis dahin unsere Forums-Chefin Smile.
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Martin



Anmeldedatum: 26.03.2008
Beitr�ge: 4

BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 10:22    Titel:

Danke Alex! Deine sehr schnelle Antwort bringt mich aber schon sehr "nahe ans Wasser" und freut mich wirklich!
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Ramona [IPOS]



Anmeldedatum: 05.03.2007
Beitr�ge: 38
Wohnort: Kärnten

BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 15:12    Titel:

Das wär dann wohl ich,- also die Chefin Wink
*lach* -> können wir das irgendwo manifestieren? Wink


Hallo Martin,
das erste Gefühl das ich habe als ich nun deinen Beitrag gelesen habe ist, das ich mich irgendwie sehr traurig fühle und es dir gut nachempfinde wie es dir ergeht.

Aber ich denke ich verstehe auch deine Frau und warum es ihr so geht, wieso sie sich so verhält.
An mir ist ja auch eine kleine "Seelentante" verloren gegangen Wink Seit 3 Jahren spiele ich WoW und ich hab "alles kuriert auf 2 Pixelhaufen"- oder war zumindest bemüht darin.
Und das, obwohl ich eine normale Partnerschaft geführt habe, mir es eigentlich auch ganz gut geht... das hab ich so nicht in Zusammenhang gebracht. WAS ich aber gemacht habe war auch, dass ich nicht damit bei meinem Partner hausieren gegangen bin. Damals war es so, dass dieser Partner aber auch absolut keine Ahnung von WoW hatte- es regelrecht verabscheute. [Meinem heutigen Partner würde ich solch "Seelentänze" sehrwohl erläutern, würde ich mich noch so sehr engagieren- wieso das aber nachgelassen hat, dazu mehr später]. Und wenn ich dann daher gekommen wäre und gesagt hätte: Na weißt der und der (vorwiegend natürlich MÄnner) hat das und das Problem... er hätte es nicht verstanden.
Es gab auch vereinzelt Fälle von Menschen, denen es so schlecht erging, dass die sich teilweise auch wirklich selber das Leben nehmen wollten und ich scheinbar deren einzige Ansprechpartnerin war. Natürlich gab es dann SMS mitten in der Nacht, längere Skype Sessions oder "geheime Chat" damit mein damaliger Freund da nicht die Krise bekam.

Manchen dieser Menschen konnte ich helfen und ich war froh denjenigen "kuriert" zu haben. Das war ein Erfolg für mich, und diese Person. Anderen erging es nicht so gut und auch ich war irgendwann am Ende meines Lateins. Irgendwann hatte ich auch den Punkt erreich wo ich mir nur mehr Gedanken gemacht habe, was ich wo wie wen helfen könnte und ich mir selber sagte: gut, aus! Soweit geht es, mehr kann ich nicht- Rest ist eine Hilfe die derjenige professionell braucht. Der Punkt war da, wo ich also auch viele "Ihrem Schicksal" überlassen hatte und bemerkte- na hoppla- es geht auch ohne mich gut Wink

Was nun deine Frau angeht, kann ich mir vorstellen dass es bei ihr zu Beginn genauso war. Da war jemand, dem sie helfen konnte, und das tat sie- weil sie es gern getan hat.
Und irgendwann war dieser Punkt da, nicht weil der sich was antun wollte, aber einfach der Punkt wo es irgendwie kein zurück mehr gibt und man sich auf dieses "Spiel" einlässt. Er braucht wen zum bemuttert werden und sie jemanden zum Bemuttern. Sie ist sowieso ne Frau,mit netter Stimme, nettem Aussehen- er ist Single und hätt gern ne Frau. Wie bekommt Man(n) dann AUfmerksamkeit: jammern.... und sie hilft. Verbringt Zeit, erzählt von ihren Gefühlen... Seelenstrip auf beiden Seiten...
Auch der wäre ok, wenn die Fronten geklärt bleiben, im Sinne von: wir sind für einander auch da, ABER ich habe einen Ehemann und der ist wirklich da- der kann mich festhalten mir helfen etc.

So dann das erste Treffen.
Dir ging es schlecht, ihr war es "egal". Warum war es ihr egal? Weil sie weit weniger der Emotionen und Gedanken da reingepackt hat, als du. Für sie wird das ein ganz normales, neutrales Treffen gewesen sein mit 2 Freunden.
Und so wie du sagst, es war auch nett. Mit dem einem bist auch super klar gekommen... aber der andere? Er hat dich verraten. Er hat sie für seine "Sache" gewinnen können, indem er verschiedene Insider ausgepackt hat, rumschäkerte und du nur dort gesessen hast mit "BAHNHOF" im Gesicht. Für dich war klar was gespielt wird- für deine Frau nicht. WEIL sie auch nicht damit gerechnet hätte das genau ER SIE angräbt- wieso auch? Ist ja mein guter Freund und alles rein platonisch blabla....

Das Treffen ist vorbei- die Begegnung kann jeder verdauen, über das erlebte reflektieren. Tja und dann denke ich, wird derjenige Typ gscheid Geschütze aufgefahren haben bei deiner Frau. Alle Register- zwischendurch wieder heulen, dann wieder anbaggern.
Und sie, mitten drin nicht wissend was passiert- wie er das meint, was er mit ihr tut. Und du aus Respekt ihrem Wunsch folge zu leisten natürlich nicht wirklich was gesagt...

Status quo?
Ich glaube, das deine Frau absolut nicht weiß wo ihr nun der Kopf steht: sie liebt dich was sie beteuert, aber auch der andere ist einfach irgendwie wichtig und interessant. Alles was sie dir sagt und tut so wie du es bschreibst ist einfach eine Trotzreaktion. Zum Trotz, dass sie dich liebt, zum Trotz das sie das/den anderen irgendwie auch braucht und sehr mag.
WoW ist hier nur Dreh und Angelpunkt- nicht wirklich eine Sucht. Die Sucht bezieht sich hier mehr auf den anderen Menschen der ihr irgendetwas gibt was ihr fehlt. Was sie gerne hätte... was sie so nicht bekommt. Was sie dir nicht sagen kann?

Alles was du tust, bekommt sie in den falschen Hals. So wie du auch berechtigt sagst, du magst nicht da hin fahren, aber wenn du es ihr so sagst, weißt du genau wie sie reagieren wird.


So wie ich das sehe MUSS deine Frau da alleine hinfahren. So sehr dir dein Herz auch bricht und du Angst haben wirst und dich selber dafür hasst dann... aber sie muss. Und wenn sie da hin fährt ohne dich, muss sie sich auch klar werden wie das weiter gehen soll. Das grenzt ja schon fast an eine Dreiecksbeziehung: Einer für zuhause und eine für... ja.. für was? Fürs Herz? Für die Sorgen? DAfür ihre Träume zu leben?

Du hast nur die Möglichkeit es deiner Frau irgendwie begreiflich zu machen. Wenn du es ihr so nicht in Ruhe sagen kannst, schreib ihr einen Brief... Schildere deine Gefühle, wie es dir in manchen Situationen ergeht und wie oft du es nicht verstehst. Gib ihr dieses Feedback. Sieh wie sie darauf reagiert und wie sie damit umgeht.
Vielleicht kannst du es so deichseln das du sagst: pass auf, ich mag nicht da hin mit fahren, ich respektiere deinen Wunsch, aber ich möchte, dass du bevor du da hin düst dir das einfach mal in Ruhe durchliest und dann mit mir drüber sprichst.
Ihr seid verheiratet. Auch ihr wird das sehr wichtig sein und ich hoffe das sie das dann auch mit deinen Zeilen begreift.

Partnerschaft/Ehe beinhaltet beiderseitiges wohlergehen. Freiraum für beide, aber auch gemeinschaftliches Leben- gemeinsame Zukunft- gemeinsam Stark zu sein, gemeinsam Spass zu haben, gemeinsam Sorgen zu bekämpfen, den anderen zu respektieren, seine Wünsche, Träume, SItuation.
Ihr braucht ein mittelmaß. Wenn das ein so guter Freund für sie ist, ok. Aber wenn er so ein guter Freund ist, muss auch ER verstehen das da eine Partnerschaft da ist mit ALL ihren Facetten. Und auch sie muss ihm gegenüber eure Partnerschaft vertreten und sagen, du pass auf- das ist mein Mann, wir machen nun was. Und nein- das tun wir nicht, weil ich meinen Mann respektiere. Etc...
Und genauso musst du aktzeptieren dass sie sich mit ihm unterhält. Vielleicht klappt es auch für euch zwei das du dich einfach nun fortan mit einbringst. Das ihr zu dritt ingame was tut. Oder nur du mit deiner Frau alleine wieder was.
Macht euch neue Twinks die ihr gemeinsam zockt- anderere Fraktion, anderer Server- RP vielleicht Smile


Es hat sich über die Zeit viel angestaut. AUf beiden Seiten.
Es fehlt an irgendwas bei euch...
Ihr müsst irgendwie normal darüber sprechen. Nicht schreien, nicht überbewerten, nicht weinen. Ganz in Ruhe...

Alle Brücken abzubrechen schaffen die wenigsten, aber dann eben alles mit MAß und Ziel. Unternehmt gemeinsam wieder was außerhalb von WoW das aber vielleicht genausoviel spass macht, etc... (anderes Game, Real Life).

Ja, soweit auch etwas mal von mir.
Wenn du Ideen hast, oder irgendwo noch Ratschläge brauchst, nur her damit. Wär doch gelacht wenn man da nicht auf einen Grünen Zweig kommt.

Du hör nur nicht auf um deine Frau zu kämpfen. Sie ist DEINE Frau Smile
Und sie liebt dich. Sie wird auch mit sich normal reden lassen...
Versuch es einfach nochmal in einer ruhigen Minute.

Ramona

PS: Achso na und @ heute bei mir: Ich hab vorwiegend Family Member und Realfreunde nun in meiner Gilde. Heute hab ich auch nicht mehr den Bock dazu "die Welt zu verbessern" bzw. meine Ressourcen gehen für die paar RL Freunde dann eben drauf. Wenn es dann mal dazu kommt, dass jemand mehr von mir braucht, dann hab ich aber absolut kein problem meinem Partner das zu sagen wenn er es wissen möchte, oder ich es für wichtig empfinde (weil man zb. skypt, mailt, smst etc...)
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Martin



Anmeldedatum: 26.03.2008
Beitr�ge: 4

BeitragVerfasst am: 27.03.2008, 11:16    Titel:

Da bin ich wieder.
Das war ein wirklich toller Beitrag von Dir - DANKE! Wink

Gestern war nun dieser Moment in dem ich gestärkt durch die eigene Reflektion hier im Forum und Deine wahrhaft "epische" Antwort, die ich zuvor gelesen hatte, angefangen habe in ruhigem Ton die Worte für meinen Standpunkt und meine Bedenken zu finden. Und eines vorweg: Es hat uns weitergebracht, viel weiter als ich je gedacht hätte.
Mir war es wichtig zu sagen, dass aus unserem gemeinsamen Hobby WOW, was einen abgesteckten Rahmen, einen An- und Ausschalter ein "wir beide gehen jetzt Zocken" hatte, mittlerweile ein "sie geht mit anderen Zocken und ich bin dabei wenn ich will" geworden ist. Auch das Thema mit den SMS und den Anrufen habe ich in passende Worte packen können, denn sie ist dieses Mal wirklich ruhig geblieben und wir haben uns beiden zugehört.
Der Schlüsselsatz von mir jedoch fing an mit den Worten: "Erzähl mir doch bitte davon..." und wurde gefolgt von einem stundenlangen Gespräch indem wir offen und ehrlich all das ausgetauscht haben was in den letzten 6 Monaten jeden einzelnen bewegt hat. Auch habe ich einen kleinen Einblick bekommen, WAS überhaupt mit den beiden so besprochen wird und - was mir wirklich wichtig ist - wie sehr sie mich liebt und das nichts das ändern kann. Somit ist unsere Beziehung nicht gefährdert, denn das hat es geklärt.

Ich möchte aber nochmal auf den Suchtbezug eingehen und was WOW damit zu tun hat und wie ich überhaupt hierher gekommen bin.
WOW ist toll. Sehr durchdacht. Es lässt den Spieler nicht verlieren. Es bringt schnelle Erfolge und das Gefühl, dass man wirklich etwas erreicht hat, obwohl man (mal von Außen betrachtet) eigentlich nur stundenlang an einem Fleck gesessen und sich nur für das nötigste vom PC wegbewegt hat. Auch die soziale Komponente mit all ihren Facetten wird berücksichtigt. Das lässt sich in gewissem Maße auf die von uns erlebte Situation übertragen. Es ist toll, dass meine Frau helfen kann, toll das sie gebraucht wird und toll dass ihr Rat wirklich etwas bewegt. Das ganze dann noch eingepackt in "Chars" und die Abstraktion einer eigenen Welt und man kann dieses Gefühl mit dem PC-Schalter ein- und ausschalten obwohl der Bezug zu den Personen hinter den Chars bestehen bleibt... und in der letzten Zeit war alles ein wenig länger... eingeschaltet... als ausgeschaltet, was sicherlich mit der einen oder anderen Eskalation in der Psyche des zweiten der beiden genannten Spieler zu tun gehabt hat, auszugsweise weiß ich da nun einige Dinge, die ich natürlich eigentlich "nicht weiß"...

Eine Sache ist mir allerdings in Bezug auf das Thema "Seelsorge" aufgefallen. Natürlich lädt so ein Spiel auch gern dazu ein, dass man Leute kuriert und ihnen Brücken und Wege aufzeigt. Die "Patienten" müssen ihrem Seelsorger noch nicht einmal in die Augen schauen, alles wird einfacher zu erzählen. Man muss aber unbedingt wissen, wo die Grenzen liegen! Professionelle Hilfe wird spätestens dann benötigt, wenn die "betreute Seele" mit lebensbeendenden Konsequenzen z.B. via SMS droht, weil seine persönliche Situation noch weiter eskaliert ist. Wenn der Seelsorger in die Not kommt, die Situation nur mit etlichen SMS und Anrufen zu klären und für sich selbst dadurch eine Menge Stress erfährt kann das nicht richtig sein. Hier hört irgendwo die Verantwortung für den anderen auf, denke ich. Ramona, Du hast ja bereits beschrieben, dass auch Du Deine Grenze erkannt hast und viele "Ihrem Schicksal" letztendlich erfolgreich überlassen hattest, vielleicht ist das ein Punkt bei dem meine Frau noch Nachholbedarf hat, das haben wir bemerkt.

Insofern kommen da wohl zwei Dinge zusammen: Das gute Gefühl gebraucht zu werden und das schlechte Gefühl nicht da zu sein.
Das erste kann einen Menschen beflügeln, länger im Spiel online zu bleiben weil es gut tut, das zweite kann einen Menschen zwingen, länger online zu bleiben, weil es vielleicht der falsche Moment wäre, auszuloggen und den "Patienten" allein zu lassen. Beides sieht für Außenstehende (wie ich einer in dieser Situation war) so aus, als würde ein Verlust der Kontrolle und der Sinn für das Wirkliche verlorengehen, ich habe mir wirklich sehr Sorgen darum gemacht, dass sie ich in diesem Spiel verkriecht und nicht mehr heraus kommt...

Als Abschluss möchte ich aber noch eine wirklich tolle Sache loswerden, die eigentlich unser Gesprächsergebnis sehr gut zusammenfasst. Am Ende des Tages haben wir kurz in WOW eingeloggt. Nachdem ich dann bereits ausgeschaltet hatte, sah alles danach aus, als wenn meine Frau wieder länger als ich online bleibt. Abrupt beendete sie aber das Gespräch mit Ihrem "Patienten" mit dem Satz: "Ich muss jetzt ausloggen, denn ich möchte mit meinem Mann noch auf's Sofa, Fernsehen - ich habe jetzt leider keine Zeit für Dich."... und das ist klasse!

Auf jeden Fall hat mich Dein Beitrag sehr dazu inspiriert, unser Gespräch noch einmal mit anderen Voraussetzungen, anderen Worten zu starten als bisher, das war gut so, ich danke Dir sehr Smile

Viele grüße,
Martin!
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Ramona [IPOS]



Anmeldedatum: 05.03.2007
Beitr�ge: 38
Wohnort: Kärnten

BeitragVerfasst am: 27.03.2008, 19:19    Titel:

Na schön das es so eine tolle Positive Antwort von dir gibt Smile
Freu mich sehr für euch- weitermachen- nicht aufhören, am Ball bleiben.
Manchmal auch einen Schritt "zurück" machen um die ganze Situation etwas distanzierter und nüchterner zu betrachten... schwer, aber notwendig.

Ich denke, da habt ihr nun auf jeden Fall wieder eine gute gemeinsame Basis. Das deine Frau begriffen hat, zeigt auch das Beispiel das du angeführt hast mit: Ich log nun aus und MACHE DAS MIT MEINEM Smile
Super schön einfach für euch beide.

Ich wünsche somit euch 2 das es so bleibt und halte die Daumen für die gemeinsame weitere Zukunft.

Ganz liebe Grüße und schönen Abend
Ramona
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